Adele Spitzeder

Geboren: 1832 | Beruf: Betrüger

Beruf: Betrügerin oder eigentlich Bänkerin oder vorher Schauspielerin.
Als es mit Adele nicht mehr weiter bergab gehen konnte, machte sie sich daran eine eigene Bank zu gründen. Absehbar war dieses Schicksal eigentlich nicht, da Adele aus gutem Hause kam und auch sonst nicht auf die schiefe Bahn hätte gelangen müssen.
Sie besuchte sündhaft teure Privatschulen und war mit den Töchtern der oberen Zehntausend auf den feinen Gesellschaften geladen. Ihr war das aber irgend wann einmal zu fade und sie beschloss wie die Eltern, beide Sänger, im Showbiz ihr Glück zu versuchen. Das funktionierte anfangs auch prächtig. Sie bekam eine Menge Engagements als Schauspielerin und verdiente nicht schlecht auf den Brettern die die welt bedeuten. Leider nur war sie nicht die Sparsamste und ihre Art mit Geld umzugehen war milde Ausgedrückt exzessiv.
Von Natur aus nicht am männlichen Geschlecht interessiert, zog sie mit ihren Mätressen um die Häuser und verpulverte ihre Gage mit teurem Schnickschnack und Schabernack. Als ihr zu schlechter letzt das Pulver ausging, hatte sie sich schon so weit mit der Mutter in München überworfen, dass sie nicht mehr eingelassen wurde und statt dessen im Hotel „Deutsches Haus“ residieren musste. Von diesem Etablissement kann man sagen, dass es nicht unbedingt das erste Haus am Platz war, dafür aber die zu erfüllenden Kriterien bei der Vergabe eines Zimmers nicht so genau genommen wurden.
Adele wurde mit ihrem Reisegepäck, einer Kaffeemaschine, sechs Hunde und einer ebenso schick wie sie gekleideten Begleiterin beim Portier vorstellig, der sich in Anbetracht ihres Äußeren trotz aller Toleranz dazu entschloss im voraus zu kassieren. Nach einer kleinen Lüge, der Geschichte vom toten Hund und etwas Überzeugungsarbeit bekamen sie, obwohl sie blank wie Kojacks Schädel waren, ein Zimmer und Adele versuchte ein Engagement als Schauspielerin zu bekommen. Doch wie es manchmal ist im Leben, Murphie's Law lässt grüßen, aus der Schauspielerrolle wurde nichts und Adele war sehr bald bei den hiesigen Finanzdienstleisten ordentlich in den Miesen. Den damaligen Dispo sozusagen auf Anschlag ausgereizt, keimte in ihrem Hirn die Idee den Spieß einfach um zudrehen und selber ins Bänkergeschäft einzusteigen.
Nach den ersten zaghaften Schritten in diese Richtung, bei denen sie ein paar Hoteldienern zehn Prozent Zinsen versprach, kam das Geschäft langsam ins rollen. Die Zinsen zahlte sie Cash aus, was damals nicht unbedingt gang und gäbe war und ihrem Unternehmen ordentlich Mundpropaganda bescherte.
Nun, eine Lüge (Adeles guter Leumund) umrundet schneller die Welt, als sich die Wahrheit die Schuhe anziehen kann und so ähnlich war es auch mit dem Ruf von Adele Spitzeders Geldinstitut der sich schneller Verbreitete als eine Grippewelle im S- und U-Bahnbereich.
Die „spitzedersche Privatbank“ avancierte innerhalb kürzester Zeit vom Geheimtipp aus Insiderkreisen zum Großunternehmen. Adele zog vom zwielichtigen Hotel in die Schönfeldstraße 9 um und hatte bald 40 Angestellte, die das Chaos verwalteten. Das Geld wurde säckeweise in der Wohnung gestapelt und von einem Tresor wollte die Bänkerin nichts wissen. Angestellte bedienten sich zuweilen an den Vorräten wie die Mäuse in der Speisekammer und die Finanzbuchführung beschränkte sich auf ein Quittungsbuch in dem vermerkt wurde, wer was eingezahlt hatte. Aus allen Schichten kamen die Einzahlungswilligen in ihre „Bank“, um sich an dem reichlichen Zinssegen gütlich zu tun.
Just in diesen Jahren brach auch noch das Gründerfieber in München aus und etliche Banken und Unternehmen schossen aus dem Nichts ans Tageslicht, wie Pilze nach einem Regenguss. Welches sich davon als seriös erweisen würde, war für die meisten Anleger alles andere als klar.
Frl. Spitzeder wusste schon damals die Vorteile einer guten medialen Präsentation zu Schätzen und bestach diverse Redakteure mit bis zu fünfstelligen Guldenbeträgen, sozusagen für ein positives Wirschaftsrating der „Dachauer Bank“, wie Frl. Spitzeders Unternehmen im Volksmund genannt wurde.
Auch die Werbemöglichkeiten im zuge einer Sozialkampagne machte sich die Spitzeder zu eigen. So wie sich heute die Stars auf irgend welchen Charityevents blicken lassen und vom Steuerparadies aus ein paar milde Gaben den Bedürftigen zukommen lassen, so eröffnete Adele Spitzeder ihrerseits, die Volksküche neben dem Hofbräuhaus. In Sachen PR hat sich seit damals auch nicht viel geändert.
Vom vielen Geldsäcke stapeln erschöpft, war es Adele einfach an manchen Tagen zu viel und sie ließ ihren Laden geschlossen. Die Lemminge vor der Tür wollten aber unbedingt ihr Geld bei ihr lassen und schon bald hatte sie keine ruhige Minute mehr. Tja, wenn nicht die bösen Behörden dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte würden wir heute noch 8 bis 10 Prozent Zinsen kriegen!
Und das kam so: Misstrauisch geworden, oder auch von der Konkurrenz auf sie angesetzt, machte die Obrigkeit 40 Gläubiger ausfindig, die sich alle gleichzeitig ihr Geld wieder holen sollten. Adele war leider gerade just in diesem Moment nicht solvent und die Polizei verhaftete die Bänkerin am 12. November. (Was würde eigentlich Passieren wenn heute, sagen wir 5000 gleichzeitig in eine Bank gehen würden? Peanuts, genau!).
Als der Schwindel aufgedeckt war, wurde Adele Spitzeder für die Ausübung des Bänkerberufs vor Gericht zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt, wonach sie erst einmal stilgerecht in Ohnmacht flog. Die Aktensichtung, zumindest das was zu entziffern war ergab, dass sie 8 Millionen Gulden in nichts aufgelöst hatte. Eine Leistung die heute höchstens noch auf höchster Ebene zustande gebracht wird. Wer das im Genauen ist, kann sich der geneigte Leser selbst zusammenreimen ;-).
Von Gier und vermeintlichen Reichtum getrieben, wurde es den Geprellten nur langsam klar, dass die einzige die etwas verdient hatte, das Frl. Spitzeder war. (Und was sich reimt ist (im Auge des Anlegers nicht immer) gut!)
Adele kam nach drei Jahren etwas bleich aber vergnügt aus dem Zuchthaus frei und lebte von Freunden und Gönnern gesponsort ein sorgenfreies Leben. Ob diese Freunde etwas über den Verbleib der 8 Millionen wussten konnte nicht geklärt werden. Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Wir schalten um ins Studio....

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