Dulten
Auf geht's zur Dult! Ein Münchner Original stellt sich vor
München | Dulten
Auf dem Mariahilfplatz in der Au lädt dreimal im Jahr für jeweils neun Tage die Dult zum Bummeln und Schauen, Essen und Trinken, Amüsieren und Einkaufen ein. Der traditionsreiche Markt mit Volksfestcharakter, der bereits im Mittelalter urkundlich belegt ist, wird vom Fremdenverkehrsamt der Stadt München veranstaltet. Mit der Mai–Dult beginnt die städtische Volksfest– und Marktsaison, es folgt im Juli die Jakobi–Dult und der Reigen schließt sich mit der Kirchweih–Dult im Oktober.
"Dult" ein Begriff mit Erklärungsbedarf
Ursprünglich bedeutete der Name "tult" oder "Dult" Kirchenfest. Während eines solchen Festes, in der Regel zu Ehren eines Heiligen, wurden um die Kirche meist Verkaufstände aufgebaut und Waren feilgeboten. Im Laufe der Zeit veränderte das Wort langsam seine Bedeutung und stand somit nicht mehr für "Kirchenfest", sondern für "Jahrmarkt". Ähnliche Bedeutungswechsel erfolgten bei "Messe", "Kirchweih" und "Kirmes" (Kirchmesse).Diese Jahrmärkte dienten im Mittelalter vor allem dem Umsatz von Fernhandelsgütern. Die Städte öffneten sich für fremde Händler und Kaufleute. Tuche, Pelzwerk, Gewürze, Gold– und Silberwaren wurden hier verkauft;
erst im 19. Jahrhundert wandelten sich die Jahrmärkte zu Verkaufsmessen der Klein– und Landkrämer. Auch die Gesundheitspflege und das Amüsement gehörten hierher: Quacksalber und Gaukler, Zahnbrecher und Taschenspieler, reisende Ärzte und Marionettenspieler brachten das Volk zum Lachen oder Weinen.
Die Auer Dult historisch
Die Auer Dult hat eine lange Geschichte. 1796 verlieh Kurfürst Karl Theodor der Vorstadt Au das Recht, zweimal im Jahr einen Jahrmarkt abzuhalten. Eine brillante Parade des Auer Bürgermilitärs anläßlich des hohen Besuchs war Grund dieser Ehre. So fanden ab 1799 jeweils im Mai und Oktober rund um die damalige Wallfahrtskirche Mariahilf die vielbesuchten Dulten statt. Zu dieser Zeit spielte sich das bunte Treiben noch vor den Toren der Stadt München ab. Erst mit der Eingemeindung der Au im Jahre 1854 wurden die Auer Dulten fester Bestandteil des Münchner Volksfestlebens. 1905 wurde die Jakobidult vom Haidhauser Johannisplatz in die Au verlegt und damit war das Dreigespann, wie wir es heute kennen, komplett.Die Jakobidult
Die jüngste Auer Dult, die Jakobidult im Sommer, ist zugleich die älteste Münchner Dult. Um 1310 ist ein "Dultmarkt" zum St. Jakobs–Tag am Anger belegt. Die Franziskaner im benachbarten Kloster förderten die Verehrung des Heiligen Jakobus durch Pilger und gläubiges Volk. Da nach altem Stadtrecht vor Kirchen "chaempe, paternoster, lebzelten, slos, magram und wilde wurtz" (Kämme, Rosenkränze, Lebzelten, Konfekt, Granatäpfel und Gewürz) verkauft werden durften, erlaubten die Mönche auch fliegenden Händlern und Krämern ihre Stände aufzuschlagen. Es entstand die Jakobidult als "freie gefreite Jahrmesse" und erlangte als wirtschaftspolitisches und gesellschaftliches Ereignis große Bedeutung.Eine Besonderheit der Jakobidult war das Scharlachrennen, das alljährlich von 1448 bis 1692 vor dem Karlstor abgehalten wurde. Das Pferderennen, vom bairischen Herzog Albrecht III. und der Stadt gemeinsam ausgeschrieben, hat seinen Namen von dem für den Sieger ausgesetzten ersten Preis ein großes Stück scharlachroten, wertvollen, englischen Tuches. Weitere wertvolle Sachpreise ließen gerne am Wettkampf teilnehmen. Ein Kuriosum dieses Rennens: der letzte Reiter bekam als Trostpreis ein Schwein, das als die bekannte "Rennsau" in die Umgangssprache einging. Zum letzten Mal wurde das Scharlachrennen im Jahr 1786 veranstaltet, bis 1810 die Münchner Bürgerschaft dieses Rennen anläßlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig, des späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen–Hildburghausen wieder aufleben ließen.
Lange Zeit blieb die Jakobidult die einzige Dult in München. Erst im 16. Jahrhundert kamen die Dreikönigsdult und Anfang des 18. Jahrhunderts die Magdalenendult in Nymphenburg dazu.
Die Jakobidult hatte im Laufe ihrer Geschichte viele Standplätze
| Um 1310: | Auf dem Anger bei St. Jakob, dem heutigen St.–Jakobs–Platz |
| 2. Hälfte des 18.Jahrhunderts: | Die Sendlinger Straße wurde teilweise miteinbezogen. |
| Ab 1791: | In der Kaufinger– und Neuhauser Straße und in der Weiten Gasse (heute Ettstraße) |
| Ab 1801: | Auf dem heutigen Promenadenplatz |
| Um 1803: | Auf dem Max–Joseph–Platz |
| Ab 1819: | Auf dem Promenadenplatz, in der Weiten Gasse und Neuhauser Straße |
| 1822: | Auf dem Maximiliansplatz |
| 1872: | Aus sanitären und ästhetischen Gründen beschloß der Magistrat, die Dulten auf dem Maximiliansplatz aufzuheben. Der zweite Bürgermeister Widenmayer plädierte sogar für die völlige Aufhebung der Stadtdulten. Nur dem Widerstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten war es zuzuschreiben, dass es nur zu einer Verlegung der Jakobidult kam. |
| 1873: | Auf dem Haidhauser Johannisplatz |
| Ab 1905: | Auf dem Auer Mariahilfplatz |
Ein Stammgast auf der Auer Dult: das Russenrad
Seit über 75 Jahren dreht sich das Russenrad auf der Auer Dult. Wie das Riesenrad auf dem Wiener Prater das Wahrzeichen dieses Vergnügungsparks ist, so gehört für die Münchner das nostalgische kleine Riesenrad der Familie Koppenhöfer zur Dult einfach dazu.1925 beauftragte Josef Esterl, der Großvater der heutigen Besitzer, die Karussellfabrik Gundelwein in Wutha/ Thüringen mit dem Bau einer Russischen Schaukel, wie das Riesen- oder Russenrad damals noch genannt wurde. Im Juni 1925 nahm Esterl sein neues Fahrgeschäft in Betrieb und kam damit 1926 erstmals auf die Auer Dult.
Ursprünglich hatte das Fahrgeschäft eine geschnitzte Fassade mit Malereien, die in den 1950er Jahren gegen die heutige ausgewechselt wurde. Bis um 1960 galt es mit 12 Gondeln und einer Höhe von 14 Metern als das größte transportable Riesenrad Süddeutschlands.
Sehens- und hörenswert ist die kunstvolle historische Noten-Konzertorgel, die die Fahrt des Riesenrades musikalisch begleitet. Hergestellt wurde sie um 1920 von der Orgelbaufirma Gebrüder Bruder aus Waldkirch im Breisgau. 1939 erweiterte der Frankfurter Orgelbaumeister Heinrich Voigt das Innenleben der Orgel mit dem 34er Ruth & Sohn Doppelrollen-System auf 54 Tonstufen und fügte im Jahre 1951 ein Xylophon, ein Okarinaregister und kleine Trommlerfiguren hinzu.
In dritter Generation führen heute Herbert Koppenhöfer und seine Schwester Edith Simon das Familiengeschäft fort.
Zur Geschichte des Fahrgeschäft-Typs: Transportable Russenräder gab es ab 1880/90 mit einer Maximalhöhe von zwölf Metern und sechs bis zwölf Gondeln. Vorgänger waren die Russischen Schaukeln mit vertikalen Kreisbewegungen, die im 18. Jahrhundert vor allem in Russland (!) und im Vorderen Orient (frühester Beleg 1620, Türkei) weit verbreitet waren. Das erste Riesenrad, wie wir es kennen, wurde anlässlich der Weltausstellung 1893 in Chicago errichtet. Von den feststehenden Nachbauten in London (1894), Wien (1897) und Paris (1898) blieb nur das Riesenrad im Wiener Prater übrig. Erst ab 1960 wurden die heutigen Riesenräder aus Stahl entwickelt
Die Auer Dult heute
Das Besondere der Auer Dult ist auch heute noch ihre spezielle Mischung aus Volksfest und Markt. Auf knapp 22.000 Quadratmetern genutzter Dultfläche entsteht eine Insel inmitten der Großstadt, wo Vergnügen, Gemütlichkeit und zwischenmenschliche Ansprache zuhause sind.
Im Schaustellerbereich der Dult können Kinder und Junggebliebene ihren Spaß haben mit Fahrgeschäften wie Autoskooter, Kettenflieger, Schiffschaukel, Russenrad, Karussell oder Reitbahn für die Kleinen. Wurfbuden laden zum Geschicklichkeitstest ein. Der bekannte "Kasperl von der Au" unterhält jung und alt in seinem Theater.
Die Dult gilt als Europas größter Geschirrmarkt; jedes Haferl und jeder Topf findet dort bestimmt seinen Deckel. Neuheiten rund um den Haushalt werden in der Straße der "Küchenwunder" präsentiert. Hier findet bestes "Asphalttheater" statt mit den sogenannten "Spezialisten" als Akteuren. Rund 290 Beschicker bieten an ihren Ständen Waren zum Verkauf an: Glas und Keramik, Wachswaren, Textilien und Leder, Korbwaren, Süßigkeiten oder altbewährte Heilmittelchen auf Kräuterbasis was nur das Herz begehrt. Das Freiluft–Shopping lohnt sich hier.
Neben Neu ist auch Alt vertreten: Bei den zahlreichen Tandlern sind so manche Schätze zu finden. Antiquarisches und Antikes, Kurioses und Praktisches aus früheren Tagen laden zum Stöbern und Kaufen ein. Und so manch fescher Dirndlrock oder originale Lederhose, getragen auf dem Oktoberfest, stammen vom "second hand" auf der Dult. Auch hier lebendige Tradition: Bereits 1854 war den Auer Dulten mit einem "Niederländer Markt" ein Tändelmarkt angeschlossen, auf dem nur der Verkauf von gebrauchten Haushaltsgeräten und abgetragenem Gewand gestattet war.
Auch kulinarisch bietet die Dult für jeden Geschmack etwas: Hendl und Steckerlfisch im Bierzelt verzehren, Fisch– oder Wurstsemmel aus der Hand essen, Crêpes am Stand schlemmen und Käsespezialitäten kosten. Für Schleckermäuler gibt es ein Café und Stände mit Süßigkeiten wie Eis, Schokofrüchte, gebrannte Mandeln, glasierte Früchte und frisch gepresste Fruchtsäfte.
Kindertag mit ermäßigten Preisen und oft mit besonderen Aktionen ist der Dienstag. Als Heimatkunde vor Ort werden von den Marktkaufleuten Dultführungen für Schulklassen angeboten.
Einmal im Dultjahr während der Jakobidult findet die Auer–Dult–Nacht statt: Live–Musik, Überraschungen und vieles mehr bis 23.00 Uhr.
Die Auer Dult ist ein Münchner Original. Der Ruf "Duit is!" läßt Augen leuchten und Herzen höher schlagen. Für viele Münchner gehören die Besuche der Dulten zum Jahresablauf wie die Brezn zur Weißwurst.
Verkaufs– und Betriebszeiten
| Verkaufszeiten täglich | 09:00 Uhr – 20:00 Uhr |
| Betriebszeiten der Schaustellergewerbe täglich |
10:30 Uhr – 20:00 Uhr |
| Kirchweihdult | Schlusszeit ist 19:00 Uhr |
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Auer Dult
Da im Bereich der Dult/Mariahilfplatz keine Parkmöglichkeiten bestehen, werden die Besucher gebeten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Mit dem MVV ist die Dult mit der Straßenbahnlinie 27, den Buslinien 52 und 56 sowie mit der U1/U2 und der U7/U8 (U–Bahn–Station Frauenhoferstraße oder Kolumbusplatz) gut zu erreichen.Dulten
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